Der Schulhof der Gesamtschule im Standort Bracht als Comic

Die Gesamtschule Brüggen - Juli

Wichtige Termine in nächster Zeit

  • 02.07.: Zeugniskonferenzen
  • 08.07.: Jg. 5 - 8: Schülerehrungen
  • 08.07.: Unterrichtsschluss nach der 4. Stunde
  • 08.07.: Verabschiedung des Schulleiters Herrn Jöres (15:00 Uhr)
  • 09.07.: Jg. 5 - 8: Schülerehrungen
  • 09.07.: Lehrerkonferenz II/3
  • 10.07.: Tagesausflüge
  • 11.07.: Jg. 8: Umzug nach Brüggen
  • 12.07.: Zeugnisausgabe
  • 13.07. - 27.08.: Sommerferien

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Kart-Weltmeisterschaft in Brasilien – Ein Erfahrungsbericht

Im Jahr 2018 war ich einer vonFahrer und Mechaniker   Teamwork ist alles
nur 16 Fahrern, die sich für
die weltweit erste Elektro-
Kartmeisterschaft (DEKM)
qualifiziert hat. In einer
Rennsaison werden üblicherweise
an 5 Rennwochenenden über das
Jahr verteilt auf verschiedenen
Strecken Rennen gefahren.
Aufgrund technischer
Anfangsschwierigkeiten an den
Elektro-Karts konnten nicht alle
Rennen ausgetragen werden.
So kam es zum Ausgleich zu der
Einladung, an der Weltmeisterschaft
„Rotax Max Challenge Grand Finals“
in Brasilien teilzunehmen.

 

Vor der Reise gab es viele Vorbereitungen zu treffen: Die Beurlaubung durch den Schulleiter beantragen, zeitig den aktuellen Reisepass besorgen, die Anfahrt zum Flugplatz Frankfurt organisieren und jede Menge Formulare für die Rennveranstaltung ausfüllen. Viel Sport und physisches Training am Simulator waren nötig, um körperlich in Form zu sein. Umfangreiches Gepäck hatte ich nicht; klar, die Kartausstattung, dazu ein paar Shorts und T-Shirts, denn es erwartete uns tropisches Klima.

Die Anreise dauerte 20 Stunden mit Zwischenlandung in Portugal. Auch wenn man sich im Vorfeld mit ausreichend Filmen versorgt hatte, war dies schon ein recht langer Zeitraum, und es blieb genügend Zeit, um sich mental auf den bevorstehenden Event einzustellen. Bei der Ankunft um 2 Uhr nachts in Recife konnten wir nicht gleich ins Bett fallen, denn es gab noch einiges zu tun, wie z. B. den Transfer zur Kartstrecke am nächsten Morgen zu organisieren. Als geeignetes Transportunternehmen erschien uns „Uber“, das sich als eine recht günstige Alternative zu herkömmlichen Taxiunternehmen erwies.

Anspruchsvolle Strecke in brasilianischer Landschaft

Das erste, was wir am nächsten Morgen aus dem Hotel sahen, war die Stadt - in für unsere Augen ungewohntem Zustand. Direkt gegenüber ein schöner Blick auf Strand und Meer. Die glatten Steine, auf die wir beim ersten Gang ins Wasser traten, erwiesen sich bei genauer Betrachtung als eine einheimische Seeigelart, die uns sehr erstaunte. Die Fahrt zur Rennstrecke war zunächst aufregend, denn auf brasilianischen Straßen fahren Fahrzeuge auf zweispurigen Fahrbahnen teilweise zu viert nebeneinander. Auch Fahrräder oder Ochsenkarren kommen einem auf der Schnellstraße gelegentlich entgegen. Mit der Zeit gewöhnten wir uns daran und konnten klar erkennen, dass dieses scheinbar chaotische Verkehrssystem durchaus funktioniert.

Endlich auf der Kartbahn angekommen, sah diese Strecke im Vergleich zu allen Kartbahnen, die ich bisher gesehen hatte, mit ihren 10 m Höhenunterschied auf 100 m und 6 Kurven auf diesem kurzen Abschnitt sehr anspruchsvoll aus. Und da sie komplett ungewohnt war, wurde einem sofort klar, dass sie viele Schwierigkeiten mit sich bringen würde. Doch bereits in den ersten paar Runden merkte ich, dass mir die ca. 1200 m lange Strecke gut liegt.

Finalist Alexander im Rennkart

Das gesamte Gelände war von Sicherheitskräften streng bewacht. Ohne die nötige Zugangsberechtigung kam man definitiv nicht hinein. Das Hauptzelt mit über 300 Karts lag auf einer Anhöhe. Für uns DEKM-Fahrer gab es ein eigenes Zelt im unteren Bereich, da die E-Karts zu schwer sind, um hochgeschoben zu werden. Es gab ein Imbissrestaurant und eine riesige Zuschauertribüne, die meistens gut gefüllt war. Überall waren Kameras für die ständige Liveübertragung installiert. Beim Rennen gab es für jeden unserer Fahrer ein Grid-Girl mit Schirm ausgestattet, um uns Schatten spenden zu können. Streckenposten in Teamkleidung waren an der gesamten Strecke verteilt. Die Veranstaltung war insgesamt äußerst professionell organisiert. Zum Rahmenprogramm gehörte ein Gruppenfoto mit allen 360 Fahrern aus 60 Nationen und einer anschließenden Fahrerparade mit traditioneller Livemusik und Medaillenvergabe, stets von Interviews und Kameras für die Liveübertragung begleitet. Am letzten Abend gab es für alle Teilnehmer eine Abschlussfeier mit üppigem Büffet und Animation.

Die Menschen in Brasilien sind scheinbar immer gut gelaunt. Es macht sich zum Beispiel niemand Gedanken über das Wetter – klar, bei durchgehend warmen Temperaturen: Egal ob morgens, mittags, abends oder nachts, die Temperatur sinkt dort selten unter 25°C. Die Brasilianer wirkten auf mich gelassen, und sie schaffen es, für ausgelassene Stimmung zu sorgen, wie zum Beispiel bei einer Parade vor dem finalen Rennen. Wenn man ein brasilianisches Restaurant besucht, kommt man mit englischer oder spanischer Sprache nicht sehr weit. Es ist unabdingbar portugiesisch zu sprechen. Dazu nahmen wir gern die Hilfe unseres Taxifahrers in Anspruch. Die Mahlzeiten bestehen vorwiegend aus Fleisch, das auf langen Spießen am Teller serviert, an der äußeren Kruste abgeschnitten und immer wieder nachgegrillt wird. Essen ist im Allgemeinen wirklich günstig und gut. Der Service, den man dort unaufgefordert erhält, ist ebenfalls hervorzuheben, denn unzufriedene Gäste sehen Brasilianer gar nicht gerne.

In den ersten Tagen brauchte man als Europäer, der nicht daran gewöhnt ist, keinen Versuch zu starten, in die Sonne zu gehen. Man verliert eine Menge Wasser durch das Schwitzen, und so fiel einem die Konzentration auf der Strecke spürbar schwerer als üblich. Viel Wasser trinken war dort unbedingt nötig. Bereits am 2. Tag gewöhnte man sich langsam an die Hitze, und klares Denken gelang wieder. Die Strecke fiel mir immer leichter und meine Rundenzeiten verbesserten sich in Richtung Podiumszeiten. Was wir zuvor nicht wussten: zu uns DEKM-Fahrern stießen vor Ort vier weitere Fahrer hinzu, Südamerikaner, Auswahlkandidaten als Beste aus ihrer jeweiligen Kategorie. Da es sich um das Weltfinale handelte, gab es keine schlechten Fahrer, und die Rennen waren dementsprechend spannend, mit vielen Überholmanövern und Positionskämpfen auf der Bahn. Von den Fahrern, die bereits vor uns eingetroffen waren und trainiert hatten, konnte man eine Menge lernen und deren Tricks zum Überholen bei den eigenen Rennen anwenden. Allerdings hatte man durch die streng getakteten Zeitpläne kaum Zeit, Kartfahrer aus anderen Kategorien kennenzulernen. Doch unter uns DEKM-Fahrern entstand definitiv eine engere Freundschaft.

In den Trainingsfahrten konnte ich meine Geschwindigkeit weiter verbessern und meine Zeiten glichen sich allmählich denen der Spitze an. Doch es ging nun darum, diese Zeiten auch im Renngeschehen zu halten und mich noch weiter zu verbessern, klar in Richtung Podiumszeiten.

Im Pre-Finale habe ich mir leider durch das falsche Einschätzen einer Situation eine 5-Sekunden Strafe eingehandelt. Da das gesamte Fahrer-Feld zeitlich extrem eng beieinanderlag, eine halbe Sekunde Zeitunterschied auf 10 Plätze, bin ich dadurch zurück bis auf Platz 15 von 16 gefallen.
Im Finale startete ich von der letzten Reihe und durfte zeigen, was ich kann. In dem kurzen Rennen von nur acht Runden habe ich es geschafft, von Platz 15 auf Platz 9 zu gelangen. Damit habe ich in fast jeder Runde eine Position gut gemacht und konnte mein verpatztes erstes Rennen ein wenig ausgleichen. Ich denke schon, dass ich trotz des weniger überzeugenden Rennergebnisses einige beeindrucken konnte, schließlich war ich der Fahrer mit den meisten aufgeholten Plätzen. Der Sieger des Rennens, Sohn des Kartbahnbesitzers, konnte seinen Heimvorteil nutzen.

Bei der Abschlussfeier am Ende der Veranstaltung, mit Reifen-Wettkampf für die Mechaniker, Musik und auch ein paar Caipirinhas, konnten sich alle von den anstrengenden Rennen des Tages erholen und sich entspannt der Heimreise entgegen bewegen. Am letzten Tag blieb noch Zeit für ein Bad im Pool, um dann mit dem Bus die Heimreise zum Flughafen anzutreten. Insgesamt dauerte diese bis zu Hause dann 24 Stunden. In der Schule gleich am folgenden Tag war verständlich, dass ich sichtlich erschöpft war. Noch dazu kam das kalte Winterklima in Deutschland. Trotzdem geht der Alltag weiter, und ich machte mich sofort daran, den verpassten Stoff aufzuholen.

Im Jahr 2019 wäre es toll, eine weitere Saison in der DEKM zu starten, und mit all den Erfahrungen, die ich mit meinem Mechaniker dieses Jahr gesammelt habe, bin ich zuversichtlich, Erfolge einfahren zu können. Was sich für meine berufliche Zukunft daraus ergibt, wird sich in den folgenden Jahren zeigen.

Alexander Siegers (Q1)

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